Ja, er hat es mir angetan dieser Junge. Das freundliche Lächeln, die strahlenden aber irgendwie doch sehr scheuen und vielleicht auch etwas traurigen Augen, sein Humor, seine Zuverlässigkeit.
Ich traute meinen Ohren nicht als er mich das allererste Mal mit «Big Mama» angesprochen hat. Aber da es weit und breit niemand ausser Chloe und mir gab, war effektiv ich gemeint, herrje. Leicht geschockt hab ich mich zu ihm gedreht (und in Gedanken dann auch schon den gesamten Ernährungs- sowie Fitnessplan für die kommenden Tage zusammen gestellt). Und da stand er, schelmisch schmunzelnd mit einem Korb selbst geflochtener Armbänder.
Diese Begegnung fand an unserem ersten oder zweiten Tag in Tofo statt. Seither besucht er uns jeden Nachmittag nach der Schule. Manchmal, da sitzt er einfach bei uns ohne sich verbal zu äussern. Manchmal erzählt er von der Schule. Manchmal baut er mit Chloe Sandburgen.
Nun hab ich «George Banana» gefragt, ob ich ihn für unseren BLOG interviewen darf. Er bejahte. Bevor es losging musste ich ihm erklären was ein Interview ist und hab ihm unsere Website gezeigt. Elidio strahlt.
Ich: Wie lautet dein Name:
George Banana
Ich: Und dein richtiger Name?
Zu Hause oder in der Schule?
Ich: beides
In der Schule Jorgy, zu Hause Elidio. Aber für die Touristen bin ich «George Banana». Das bringt sie zum Lachen und das können sie sich auch merken.
Ich: wieso hast du verschiedene Namen?
Weiss nicht, das ist einfach so. Und«George Banana» ist einfacher für die Touristen.
Ich: Und wie lautet dein Familienname?
Hm, ich hab viele.
Ich: Aber was steht in den Dokumenten?
Elidio
Ich: Wo wohnst du?
In Bamboozi, das ist ganz am Ende von der Bucht. 2 Minuten von den Pferden weg.
Ich: Und was magst du?
Soda Wasser, Chicken, Hamburger, Cola. Ich schwimme gerne und ich surfe gerne. Ich kann gut surfen! Schau es hat Wellen und sie sind am Üben, später geh ich surfen.
Ich: Ich hab dich noch nie im Wasser gesehen.
Ich hab 2 Surfbretter. Ein Grosses und ein Kleines. Ich hab sie im Surf Shack untergebracht. Ich kann sie nicht immer mit mir tragen weil ich so weit weg wohne.
Ich: Und was machst du, wenn du nicht am Strand bist?
Dann klettere ich die Palmen hoch und hole Kokosnüsse runter, ich helfe meiner Familie zu Hause, wir machen ein Feuer, ich suche Holz für’s Feuer.
Ich: Kocht ihr mit dem Feuer oder habt ihr auch Strom?
Wir haben auch Strom, aber mit dem Feuer ist es viel besser zu kochen.
Ich: Wieso?
Es geht schneller.
George Banana lacht, es ist ansteckend.
Ich: Und wer kocht zu Hause? Du oder deine Mama?
Meine Mama ist tot. Die Freundin meines Onkels kocht.
Ich: Mit wievielen Personen lebst du?
Mit 10.
Ich: Und mit wem teilst du dein Zimmer?
Mit niemandem, ich hab alleine ein Zimmer! In unserem Dorf lebt meine Familie in 4 verschiedenen Häusern.
Ich: Dürfen Chloe und ich mal dein Dorf besuchen kommen?
Klar!
Ich: Wann ist deine Mum gestorben?
Ich weiss nicht, ich war vielleicht noch ein Baby.
Ich: Woran ist sie gestorben?
Das weiss ich nicht.
Ich: Hast du nie nachgefragt woran sie gestorben ist?
Nein, sie ist einfach tot.
Ich: Was ist dein Lieblingsessen?
Matapa. Und deines?
Ich: Pizza
Pizza mit Chorizo?
Ich: Nein, vegetariana.
Ich: Hast du eine Freundin?
Ja (schmunzeln).
Ich: Wieviele?
Hm, vielleicht drei.
Ich: Was? Wieso drei?
Naja, sie leben ja nicht hier. Sie kommen aber vielleicht wieder.
Ich: Wo leben sie denn?
Eine wohnt in Südafrika, eine andere in Holland.
Ich: Und in Mosambik?
Nein, die Frauen möchten immer nur Geld.
Ich: Wie alt bist du?
15.
Ich: Möchtest du eine Banane.
Ja, gerne. Nachher geh ich surfen.
Ich: Mach das. Danke für das Interview.
Bitte. Er düst davon.